Der 1. Schritt - bereits im Mai 2012 vollendet:
Die Tuba Magna
ein in Deutschland einzigartiges Orgelregister
Eine Tuba von John Compton in Mettlach!

Die in Mettlach spiel- und hörbare Tuba Magna aus der Hand des englischen Orgelbauers John Compton dürfte zwischen 80 und 100 Jahren alt sein und ist somit ein lebendiges Zeugnis viktorianischer Orgelbaukunst. Durch die meisterhafte Restaurierung und Installation seitens der Orgelbauwerkstatt Bernhard Kutter (Friedrichroda, Thüringen) ist in der Lutwinuskirche ein Klangerlebnis möglich, wie es seinesgleichen suchen dürfte. Bereits nach ihrer Weihe gab es einen wahren Begeisterungssturm ob des fantastischen Klanges dieses Registers.

Was ist eine "Tuba" in der Orgel?


Bei der Tuba handelt es sich um ein Orgelregister, das einer detaillierten Beschreibung an dieser Stelle bedarf. Es ist das mächtigste und kraftvollste Orgelregister überhaupt und gleichzeitig das durchsetzungsfähigste von großer Klangschönheit und Pracht. Will man sich ihren Klang vorstellen, lässt er sich etwa in der Art wie ein Alphorn beschreiben, jedoch etwas heller und runder sowie wesentlich schneller in der Tonansprache. Sie wird grundsätzlich als Solo-Stimme eingesetzt, in seltenen Fällen aber auch als spezielle Dynamiksteigerung an entsprechenden Stellen. Ihr Einsatz muss immer auf ihre exorbitante Wirkung eingerichtet sein. Innerhalb der Region erscheint St. Lutwinus als Einsatzort für dieses Register besonders geeignet: mit der Mettlacher Wallfahrt, deren Pontifikalämtern und insbesondere der Verehrung des Lutwinus-Schreins und den daraus resultierenden ortsgebundenen liturgischen Eigenheiten.

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Das Register wurde 1825 von William Hill in England erfunden, zunächst unter dem Namen „Ophicleide“, und später von Henry Willis als „Tuba“ weiterentwickelt und zur höchsten Vollendung gebracht. Sie gehört zur relativ kleinen Gruppe der sogenannten „Hochdruck-Register“. ´┐╝Der für sie nötige Winddruck beträgt oft das 6-8fache des Druckes {1}, der für die gängigen Orgelregister benötigt wird, jedoch nicht, um eine möglichst große Lautstärke zu erzielen, sondern um den gewollt großen, dunklen Klang stabil erzeugen zu können. Das Material der Tuba ist an allen Stellen der Pfeife von besonders hohem Gewicht und Dichte. Siehe Abbildung rechts.
Eine Gegenüberstellung der Häufigkeit von Registern belegt den außerordentlichen Gewinn, den diese Compton-Tuba für St. Lutwinus darstellt: in Deutschland sind etwa 59.000 Orgeln vorhanden. Wieviele Orgeln weltweit existieren, lässt sich daraus unter Berücksichtigung von Traditionen und nationalen Gegebenheiten in etwa ableiten. In nahezu jeder dieser Orgeln gibt es einen Prinzipal 8‘ oder zumindest eine Flöte 8‘. Die Tuba ist hingegen nur in etwa 130 Orgeln weltweit vorhanden {2}. Audsley schreibt: „Das Register...findet sich in verschiedenen Teilwerken wichtiger Orgeln“, beispielsweise in der Westminster Cathedral, London, der Kathedrale von York, der St. Paul‘s Cathedral, London, in der Kathedrale von Riga, im „Auditorium“ von Chicago und der Music Hall von Cincinnati.

Die Tuba, die für die Lutwinuskirche besorgt werden konnte, stammt von John Compton (1865-1957) und stellt in ihrer Form als sogenannte „Harmonic Tuba“ die höchste Entwicklung des Registers dar.
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Selbstverständlich ist es auch heute möglich, eine Tuba von einem Orgelbauer herstellen zu lassen. Dabei wird es sich aber immer um eine Kopie handeln, was durchaus am Klang auszumachen ist, wenn man modern hergestellte Tuben mit ihrem historischen Vorbild, also dem Original, vergleicht.

Der bestmögliche, auch dem traditionellen englischen Orgelbau entsprechende Platz für die Tuba befindet sich in der Hauptorgel, um ihre größtmögliche klangliche Entfaltung im Kirchenraum zu gewährleisten.

{1} Der Winddruck, der für das Erklingen der Luftsäule in den Pfeifen von existentieller Bedeutung ist, wird in Deutschland in Millimeter Windsäule (mm/WS), in England in inches Windsäule gemessen. Reguläre Orgelregister bewegen sich in einer Spanne zwischen 70-100 mm/WS, die Tuba benötigt mindestens 500 mm/WS, meist mehr.

{2} laut Osiris Datenarchiv der Wirtschaftsuniversität Wien

{3} vergl. G. A. Audsley - „Organ-Stops and Their Artistic Registration“, H.W. Gray Co. 1921, S. 265