Sonntag, 19. August bis Sonntag, 18. November 2012 • jeweils19.30 Uhr

Internationales Orgelfestival Mettlach 2012
zum 100. Todesjahr von
Louis Vierne
(1870 - 1937)
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Louis Vierne war von 1900 bis zu seinem Tode im Jahr 1937 der Titularorganist der Kathedrale Notre-Dame in Paris. Durch diese herausragende Stellung, sein weltweites Auftreten als Konzertorganist und seine bemerkenswerte Begabung als Künstler hatte er den Ruf eines bemerkenswerten Virtuosen und Improvisators. Als Komponist wird Louis Vierne als der Endpunkt der spätromantischen französischen Orgelmusik zu Beginn des 20. Jahrhunderts angesehen, dessen Kompositionen die wesentliche Epoche der Orgelsymphonik gleichermaßen zu einem Abschluss wie auf ihren eigentlichen Höhepunkt brachte.
In der Nachfolge Francks, Guilmants und Widors brachte er die Expressivität und Virtuosität der symphonischen Orgelmusik auf ein bis dato nicht dagewesenes Niveau. Er blieb zwar zeitlebens der Tradition seiner französischen Vorgänger und Lehrer verpflichtet, zeigte aber dennoch die Richtung an in die neue Tonsprache des 20. Jahrhunderts. Seine Stellung innerhalb der Musikgeschichte kann als "Brücke" angesehen werden, als Übergang aus der Romantik in die Moderne.

Die Orgelmusik Louis Viernes war bis in die 80er Jahre des 20. Jahrhunderts in Deutschland fast unbekannt, während sie in Frankreich und Amerika ständig zum festen Konzertrepertoire gehörte. Gegen Ende des 20. Jahrhunderts gewann seine Musik auch bei uns immer mehr an Bedeutung und heute zählen einige seiner Stücke, wie zum Beispiel das berühmte "Carillon de Westminster" oder das Finale der 1. Symphonie, zu den Lieblingsstücken der Musikfans.
Insbesondere seine sechs Orgelsymphonien gelten als einzigartiger Höhepunkt der französischen, spätromantischen Schule. Sie stellen derartig hohe Anforderungen an das Können des Interpreten, dass sie in Konzerten das Publikum immer wieder in Staunen versetzen. Den Zuhörern wird zuweilen der Eindruck vermittelt, an der Orgel würde "gezaubert".
Die Musikwelt feiert in diesem Jahr 2012 den 75. Todestag von Louis Vierne und die Katholische Pfarrgemeinde St. Lutwinus, Mettlach, ist stolz, mit dieser Konzertreihe zum Gedenkjahr beitragen zu können. Es ist gelungen, namhafte, international renommierte Gastkünstler für die Konzerte zu gewinnen, so dass eine adäquate Aufführung der Viernschen Musik gewährleistet ist - auch durch die gute Akustik und die französisch geprägte Orgel der Lutwinuskirche.
Alle Konzerte in der Lutwinuskirche finden bei freiem Eintritt statt, dabei dennoch ein hohes künstlerisches Niveau zu halten und professionelle Künstler präsentieren zu können, wird ermöglicht durch die Arbeit des Lutwinuswerkes und durch die Unterstützung unserer Sponsoren. Ihnen gebührt unser Dank dafür, Ihnen als interessiertem Publikum eine Konzertreihe anbieten zu können, die Ihnen die Möglichkeit gibt, das Werk eines der größten Komponisten der Orgelmusikwelt umfassend kennen zu lernen.
Kommen Sie zu den Konzerten in der Mettlacher Lutwinuskirche und erleben Sie die bezaubernde Musik von Louis Vierne!

Die genauen Daten zu unseren Künstlern und den Terminen finden Sie
hier.
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Kurzbiografie Louis Vierne
(* 8. Oktober 1870 in Poitiers; † 2. Juni 1937 in Paris)

Louis Vierne und sein Bruder René Vierne (* 1878; Schüler seines Bruders Louis und Charles-Marie Widors; Organist an der Kirche Notre-Dame-des-Champs in Paris; † 1918 als Soldat im Ersten Weltkrieg) waren Söhne des Journalisten Henri Vierne.
Louis Vierne wurde mit einer schweren Sehbehinderung geboren. Die Familie zog 1873 nach Paris, wo Louis' Onkel Charles Colin seine musikalische Begabung entdeckte und ihn zum Klavierspiel ermunterte. Im Alter von sieben Jahren erlangte Louis ausreichend Sehkraft, so dass er sich im Alltagsleben weitgehend selbständig orientieren und großgedruckte Schrift lesen konnte.
Seit 1880 erhielt Vierne Klavierunterricht bei Henri Specht in Paris. Im selben Jahr hörte er erstmalig César Franck als Organist in der Pariser Kirche Ste. Clotilde. Dieses Schlüsselerlebnis nannte er später in seinen Memoiren eine „Offenbarung“. 1881 trat Vierne in das Pariser Blindeninstitut ein und wurde dort von Henri Specht (Klavier) und Henri Adam (Violine) unterrichtet. Ab 1887 erhielt er Orgelunterricht bei Louis Lebel und, nach Lebels Tod zwei Jahre später, bei Adolphe Marty. Seit 1889 nahm Vierne Unterricht in Fuge bei César Franck. Sein Studium am Conservatoire de Paris, an dem er bereits vorher als Zuhörer Francks Orgelklasse besucht hatte, schloss er 1894 bei dessen Nachfolger Charles-Marie Widor mit einem ersten Preis in Orgelspiel und Improvisation ab.
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1892 ernannte Widor seinen Schüler Vierne zum Stellvertreter an der Orgel der Pariser Kirche Saint-Sulpice. Nach Viernes erstem Preis in Orgel 1894 wurde er zusätzlich Widors Assistent in der Orgelklasse am Pariser Konservatorium. 1898 schrieb Vierne seine erste Orgelsinfonie op. 14. Ein Jahr später heiratete er die Sängerin Arlette Taskin, von der er 1909 wieder geschieden wurde.
Im Jahre 1900 wurde Louis Vierne nach einem Vorspielen unter mehreren Bewerbern ausgewählt und zum Titularorganisten der Kathedrale Notre-Dame de Paris ernannt, eine Stelle, die er bis zu seinem Tode innehatte. Darüber hinaus arbeitete er als Assistent von Alexandre Guilmant, Widors Nachfolger als Orgelprofessor am Pariser Konservatorium, und unterrichtete in dieser Position zahlreiche bedeutende Organisten der folgenden Generation in Frankreich.
1911 kündigte Vierne seine Anstellung am Conservatoire und wechselte als Orgelprofessor zum kirchenmusikalischen Institut Schola Cantorum.
1906 musste Vierne nach einem komplizierten Beinbruch seine Pedaltechnik völlig neu erlernen; 1907 erkrankte er lebensbedrohlich an Typhus, einige Jahre später an grünem Star und erblindete schließlich völlig. Trotzdem unternahm Vierne Konzertreisen durch Europa und die Vereinigten Staaten, auf denen er auch als brillanter Improvisator hervortrat. Vierne starb 1937 während eines Orgelkonzerts am Spieltisch seiner Orgel in Notre-Dame an den Folgen eines Gehirnschlags.
Zu Viernes Schülern zählen Alphonse Schmitt, Augustin Barié, Lili Boulanger, André Fleury, Maurice Duruflé und Adrien Rougier.